DENKEN UND FRIEDEN HERSTELLEN


DENKEN UND FRIEDEN HERSTELLEN
Das Denken von Franz Rosenzweig und Emmanuel Levinas im Kern der Ereignisse des XX. Jahrhunderts


Ricardo Timm de Souza

1.    ZUR EINFÜHRUNG

Die Hauptfrage, die unsere Reflexionen in diesem Text leitet, könnte vielleicht folgendermassen dargestellt werden: wie stellt sich überhaupt das Thema des Friedens und des Frieden-“Herstellens” aus dem Denken von zwei Philosophen, dessen Leben markiert waren genau durch kathastrophale kriegrisch Ereignisse, nämlich Franz Rosenzweig (1886-1929) und Emmanuel Levinas (1906-1995)? Als zweite Leitfrage unsere Arbeit sollte gelten: was eigentlich unterscheidet diese beide Denker bzw. ihre respektive Denkenweise? Wir halten diese Fragen deshalb für wichtig, weil die Antworte, die dazu kommen, möglicherweise erleuchtend sein werden, um nicht nur die Tiefstruktur des XX. Jahrhunderts etwa verständlicher zu machen, sondern auch, um gerade unsere schwierige soziale und kulturell-philosophische Lage – weltweit - etwa deutlicher machen.
Die allgemeine Argumentationslinien dieser kleinen Arbeit – die hier natürlich nicht in alle Einzelheiten dargestellt werden können -, stammen meistens aus verschiedenen Texte, die sich irgendwie mit der für uns sehr wichtige Frage der Möglichkeit einer ethischen Grundlegung der Philosophie – aus ganz verschiedenen Perspektiven stammend - befassen[1].
Zuerst müssen wir folgendes erklären: wir versuchen in unserer Forschung die Kultur des XX. Jahrhunderts so zu lesen, als sie die Grenzen eine ganze Ära darstellt, als Extremität ein gewisses zivilizatorisches Modell. Die Unsicherheit, die die Dekadenz der Sinne einer in sich geschlossene, selbstreferierte Totalität[2] verursacht hat, belebt sogar die Form, die wir diese Dekadenz verstehen. Nach Jahrhunderte vom Traum und Sehnsucht nach dem Sinn der Totalität, taucht die Welt der abendländischen Zivilisation wieder im Meer der tiefsten Unsicherheit ein; und dies ist die Welt, in der nicht nur Franz Rosenzweig und Emmanuel Levinas gelebt und gearbeitet haben, sondern in der wir auch leben und überleben müssen[3].
Es ist auch zu betonen, dass was hier uns im ersten Linie interessiert ist eine allgemeine – wenn auch keineswegs oberflächliche – Beurteilung vom gesamten Werk beider Denker, und zwar im Sinne ihre Bewertung als mögliche Antwort für philosophische Probleme, die heute besonders prägnant erscheinen – nämlich das Problem der Wirklichkeit der Ander(s)heit des anderen Menschen, die sich in Form einer radikale Forderung auf Gerechtigkeit darstellt. Deshalb sollte das Wort “Frieden” hier verstanden werden schon von Anfang an nicht bloss als eine Problemstellung, die auschliesslich im makroökonomischen bzw. makropolitischen Feld ihre Wichtigkeit hat, sondern vielmehr als die wesentliche Form, die das Umgehen mit dem anderen Menschen unbedingt annehmen muss, will man sich eine ethische Welt vorstellen. Frieden sollte also hier gleichzeitig als ein ethisches Termin sowie als Fundament einer ethischen Gesellschaft verstanden.
Sei ausserdem gesagt – und dies ist äusserst wichtig -, dass wir eine gewisse Distanzierung ganz bewusst nehmen gegenüber einige strikt theoretische Aspekte der Thematik wie sie von beiden Autoren behandelt worden ist, und zwar gerade um unsere “Andersheit” zu behalten. Die vorliegende Arbeit sollte also keineswegs als etwa eine “orthodoxe” bzw. “hetherodoxe” Lektüre Rosenzweigs bzw. Levinas’ verstanden werden, sondern vielmehr als eine ganz bestimmte Lektüre, die genau durch unsere kulturelle Entfernung ermöglicht wird. Mehr als eine endogene philosophische Interpretation, wollen wir Elemente für ein philosophischer Dialog erforschen.
Unsere Arbeit wird die folgende Schritte durchlaufen: erstens sind einige wichtige allgemeine Aspekte der Position beiden Denker gegenüber unserem allgemeinen Thema untersucht, und dann werden wir versuchen darzustellen, in welchem Sinne die Unterschiedenheiten und Proximitäten zwischen den beiden Philosophen zu verstehen sind, und zwar nicht aus der Perspektive der blossen Analyse von jeweils ihre Behandlung der Thematik des Friedens, sondern in die Richtung zu zeigen, wie Levinas die von uns genannte Hauptintuition Franz Rosenzweigs bewährt und re-qualifiziert hat in der gegenwärtigen Welt. Endlich sollte verständlich werden inwiefern, nach unsere Meinung, sowohl Rosenzweig als auch Levinas von grössten Bedeutung für die heutige Philosophie sind.
Endlich ist zu betonen, dass dieser Text weniger analytiker als synthetiker ist, d. h., wir wollen, statt einfach die Grundlinien des Denkens Rosenzweigs und Levinas’ bezüglich unserer Problematik darstellen, versuchen, ihre Intuitionen im Sinne nochmals einer möglich interkulturellen bzw. multikulturellen “Philosophie des Dialogs” reaktualisieren, und zwar anhand der grossen philosophischen Fragen, die heute, überall, ganz scharf auftauchen.


2.    ROSENZWEIG UND DER GROSSE FRIEDENSANGEBOT


I. Die Spannung

Eines der wichtigsten Phänomene des fin-de-siècle 1800-1900 - wir könnten vielleicht diese Zeitraum bis auf die Mitte des XIX. Jahrhunderts rückwärts ausdehnen - im Bereich der europäischen Hochkultur, besonders im deutschen Sprachraum, stellt die Art und Weise, wie sich assimilierte Juden mit der schweren Spannung zwischen Überlieferung und Gegenwärtigkeit – von Judentum, auch wenn nicht im Sinne eine gewisse Religion, und das gegenwärtige “christliche” kulturelles Leben -, auseinandergesetzt haben. Das ist sicher der Fall von vielen der pröminentesten jüdischen Kulturmenschen der Epoche der effektiven Gründung des XX. Jahrhunderts, eine Epoche, die sich endlich nicht auf eine kurze Zeitspannung begrenzt, sondern länger und breiter verstanden werden muss: von den zweiten Hälfte des XIX Jahrhunderts bis auf die grosse Auswanderung oder Vernichtung von Intellektuelen in der Hand der Nazis. Von Hermann Cohen zu Walter Benjamin, von Albert Einstein zu Franz Kafka, von Sigmund Freud zu Hannah Arendt, und viele andere: was wir eigentlich haben, sind Leute, die sich inzwischen “zwei Welten” befinden – die Welt der ganze Assimilations-Versprechung, d. h., der Aufklärung im Sinne der möglichen und notwendigen politischen und sozialen Integration, und die Welt der Enttäuschung, in der immer klarer wurde, dass die Versprechungen – die alte Träume – nicht zutage treten würden, zumindest nicht, wie sich die älteste Generation der deutschsprachigen Juden vorgestellt haben. Darin besteht eine sehr komplexe Spannung.
Diese Spannung ist nach unseres Erachtens wegweisend, um etwa mehr von der existentiell-philosophischen Lage Franz Rosenzweigs zu verstehen. Das Leben des jungen Rosenzweig ist ein Beispiel dessen, wie die intelligentesten Intellektueler jüdischen Abstammung sich kulturell integrieren vermögen bzw. versuchten: von Gymnasium zur Universität, in Vorbereitung zu liberalen Karriere – Medizin u. s. w.; frühe Kontakt mit anderen Wissenschaften, besonders Humanwissenschaften, und Entedeckung seine “wahre” Begabung. Und dann, der frühen Versuch, sich akademisch zu etablieren.
            Es ist aber zu betonen, dass viele andere Aspekte dieses Skizzes im Kauf genomenn werden müssen; siehe z. B. Walter Benjamin, der endlich seine Habilitation nicht bekam. Die Frage ist natürlich: wollte Benjamin eingentlich dies? Natürlich gibt es dazu viele Erklärungen und auch viele Vermutungen. Aber, was uns hier besonders interessiert, ist, dass – wie im Falle von vielen anderen jüdischen Intellektuelen seiner Generation – das intellektuelle Leben in der Akademie damals vielen bloss unerträglich erschien.
Es ist jetzt sicher zu fragen: wieso “unerträglich”? Folgendes meinen wir damit: die intelektuelle Empfindlichkeit, in der diese komplexe Generation aufgewachsen ist, führt zur Ahnung, besser noch zur sicheren Schlussfolgerung, dass noch Vieles passieren würde, bevor das Leben so geordnet ist, dass man in der Universität die allebeste Lage finden würde, um ihre tiefste humane bzw. intellektuelle Entfaltung zu sichern[4].
Was hier im Spiel ist, ist genau die schon genannte Spannung, die neue Kontüre aufnimmt, nämlich in Form ein neues existentielles Inhalt, der zu blühen beginnt. Sieht man den ersten Weltkrieg, versteht man ganz leicht, dass die historische Umstände besonders schwierig waren für Leute, die nicht nur jung und idealist waren, sondern auch, die in sich selbst eine schwere Spannung – die obergenannte Assimilations-krisis – zu ertragen hatten und endlich zu lösen sollten.
Dies scheint mir entscheidend zu sein, um das Werk Rosenzweig im Ganzen besser zu verstehen.
Franz Rosenzweig, sowie viele andere Intellektuellen jüdischen Abstammung, gehörte einer Familie vom assimilierten Juden, die das Judentum nicht als lebendige religiöse Rahmen des Lebens erfuhr, sondern vielmehr das Judentum als ein Gut der Vergangenheit in eine ganz besondere Form bewahrt hat. Dazu kommt ein besonders unruhiges Geist, der sich für alles Gegenwärtige interessierte. Hier werden wir nicht detalliert dieses Unruhig-seins Rosenzweigs von näher betrachten; uns interessiert vielmehr die Tatsache, dass Rosenzweig tief in der grossen kulturellen Spannung lebt, die wir oben genannt haben. Und in seinem Fall – wie im Fall von vielen anderen – wird seine persönliche Lage in eine sehr besondere Weise mit der allgemeinen Situation seiner Zeit und Kultur kombiniert.
Franz Rosenzweig nimmt ganz ernst die Tatsache auf, dass die Lösungen der Vergangenheit der Philosophie für die grundlegende historische-philosophische Fragen des Gegenwart nicht genügen, um die gegenwärtigen Krisis der Kultur und der Rationalität adäquat zu behandeln. Natürlich macht er dies nicht nur aus eine blosse “horizontale” Betrachtung der Geschichte, sondern vielmehr mittens eine sehr komplexe Analyse der Vergangenheit und von sein Gegenwart selbst– was wir hier nicht beachten werden[5]. Was uns hier wirklich interessiert ist die Tatsache, dass Rosenzweig genau inmitten diese Komplexität denkt. Und deshalb ist ja zu verstehen, dass der kasseler Philosoph genau zum Kern der (seinen) gegenwärtigen Ereignisse kommt.
Konkret verstanden, stellt sich der Stern der Erlösung als eine sehr komplexe Bewegung, die ganz anders verstanden werden muss als ein triaditionelles philosophischen System. Es wäre vielleicht in diesem Punkt angemessen zu untersuchen, wieso kommt aus der Dynamik der ursprünglichen Bewegung, die schon ganz am Anfang des Werkes zu finden ist, also die Zeitlichkeit, die die Substanz des Ganzen im Grunde konstituiert und ohne welches das gesamte Projekt unwiderruflich unverstandändlich bleibt. Uns genügt jetzt aber, zu bezeichnen, dass diese Dynamik gerade die Form bezeichnet, mit der Rosenzweig arbeiten kann
Dies scheint uns entscheidend zu sein: das existentielle Denken Rosenzweigs ist nicht eine Form zwischen anderen zu philosophieren, die er frei ausgewählt hat, sondern die einzige Möglichkeit für ihn, in seiner Zeit noch zu philosophieren. Das alles heisst: Franz Rosenzweig musste in seinem Werk das Allebeste seiner existentiellen Spannung bearbeiten; sein Werk stellt siche gerade als eine geniale Entfaltung dieser Spannung. Dies bestimmt der ganz besonderes philosophisches Reiz Rosenzweigs. Mit einer starke Beziehung zur uralten Überlieferung seiner sozusagen “privaten” Kultur, musste er seine Zeit und seine Vergangenheit in sich nehmen, um treu zu bleiben zu seinem tiefsten Sinn von Aktualität.
Was würden wir aber hier unter “Sinn von Aktualität” verstehen? Gerade die extrem gravierende Situation, die nicht mehr erlaubte, dass die Philosophie die Schemen der Vergangenheit wieder umarrangiert und sie erneut benutzt, um die ganz neue Krisis der Gegenwärtigkeit entegegenzutreten.
Es ist also ein “Neues Denken” notwendig – ein Denken, der sich direkt zum Kern der Ereignisse richtet. Was für Ereignisse? Die Fakten, die den Menschen die Hoffnung auf ein bloss rationalen, synthetischen, “konziliatorischer Frieden” unwiderruflich beraubt hat[6].
Also: wenn Philosophie in der Kultur ein Platz noch hat, dann nur im Sinne eine extreme neue Erwägung, die im Grunde nichts als Fundament im kauf nimmt ausser die absolute Not-wendigkeit, die die historische-existentielle, ja menschliche Not auf die klarste Weise darstellt.


II.Multiplizität und Zeitlichkeit

Zwei Aspekte wollen wür hier kurz behandeln, die das ganze philosophische Werk Rosenzweigs beleben und artikulieren: die Themen der Zeitlichkeit und der Ursprünglichkeit des Vielfältigens.
Gegenüber eine an Parmenides erinnerende Vorstellung, die die Hauptlinie der Geschichte der Philosphie bis Hegel grosso modo bewohnt hat – die Identifizierung von Sein und Denken – postuliert Rosenzweig ganz ausdrücklich von Anfang an schon die absolute Differenz zwischen Ich, der denke, und Das, was ich denke.
Und gegenüber eine sozusagen “normale” Art von Philosophieren, in der die Zeit immer als Skandal des rationalen behandelt worden ist, nimmt Rosenzweig eine ganz andere Zeitvorstellung auf, um zu denken – die Zeit als die einzige Möglichkeit, den anderen als solche zu begegnen, also die ursprüngliche Vielfältigkeit des Wirklichen zu bewähren.
Die Artikulation dieser beiden “Ur-Kerne” bzw. “Ur-bewegungen” in seinem Denken stellt der tiefste Inhalt seines Werks. Sein Denken, ganz generell betrachtet, besteht gerade aus der eindringlichen, energischen Entfaltung diese Artikulation. Diese seltsame Entfaltung, die sich in verschiedensten Felder der Kultur ausdenht, konstituiert das Partikuläre des Werks Rosenzweigs; seine gelehrte Zusammenfassung einer ganzen Welt – seine Welt, unsere Welt – nimmt gerade diese Richtung: inmitten der unglaublichen Vielfältigkeit neuer wissenschaftlicher und kultureller Daten, den Sinn der Menschlichkeit noch zu retten, und zwar nicht als eine Idee des Menschen, die unter des Ruinen des Fortschrittes und des ersten Weltkrieges begraben und wieder zu “befreien” ist, sondern als eine extreme und entscheidende Konkretheit, ohne welche die Welt als solche – d. h., als Platz der Begegnungen mit den Anderen – nicht einmal vorzustellen ist.
Wie kann jetzt aber diese extrem komplexe Artikulation, deren Einzelheiten wir hier keine Zeit haben, zu betrachten, aussehen?
Es sind natürlich viele Antworte möglich. Unsere Antwort nimmt aber die Hauptfrage diesen Text wieder. Uns interessiert hier auf eine besondere Weise die Thematik des Friedens – besser gesagt, die Möglichkeiten, den Frieden und ihren Verwirklichung zu denken.
Die Vielfältigkeit des Ursprünglichen und konkrete Zeitlichkeit des Lebens und der Erfahrung konsequent zu artikulieren heisst hier also: die Möglichkeit des Friedens in alle ihre Gründlichkeit wieder zu denken. Ohne die Multiplizität, ohne die nicht-zu-einander zu reduzierende Andere, sind wir noch in der Umbestimmtheit des Neutralen, des Undifferenzierten, was nicht friedlich ist, sondern vielmehr tot. Und ohne die Zeit, die, nach Rosenzweig, wir sind, in der wir unseres Leben in jedem Moment rechtfertigen müssen, wäre nicht möglich, den Frieden zu verwirklichen. Beim Bau einer erträglichen meschlichen Gemeinschaft nimmt das neue Denken, das erfahrende Denken, sein wahres Sinn; es handelt sich also schon hier um eine zeitlich-ethische Umordnung der Welt.
Das Werk Rosenzweigs darf also auf eine ganz bestimmte Weise als ein grandiöses Friedensangebot verstanden werden. Und es handelt hier, es sei nochmals betont, nicht einfach um eine grossartige teleologische Vorstellung von Frieden als Versöhnung der Vielfalt der Verschiedenen, die in die Einheit der Totalität des Denkens münden, sondern umgekehrt, Frieden hat hier der Sinn, die Differenz trotz allem zu bewahren und die Begegnung der Verschiedenen zu ermöglichen und zu fordern gerade in der Zeit, in der Zeitlichkeit, in der diese Begegnung entsteht und welche diese Begegnung letzendlich konstituiert.



3.    LEVINAS UND DIE MÖGLICHE VERWIRKLICHUNG DES FRIENDENS AUS DER ETHISCHEN UMORDNUNG DER WELT


I. Die Logik des Krieges

Rosenzweig hat u. E. den allerletzte Versuch durchgeführt, die Philosophie “systematisch” so gründlich zu renovieren, dass sie, ohne die Vielfaltigkeit des Wirklichen - die im Grunde ihrem ersten Impuls konstituiert -, so gut wie unverständlich bliebe. Philosophieren hiesse dann, nach dem Legat des Stern der Erlösung, das Leben so ernst zu nehmen, das es keinerlei mit irgendeiner Lebensvorstellung zu verwechseln ist. Leben heisst: der Zeitlichkeit treu zu bleiben, und Philosophieren bedeutet dann, diese Zeitlichkeit, die wir sind und in der wir leben, zu bewähren – d. h., die unendliche friedliche Begegnungen, die zwischen den Vielen stattfinden können und müssen, zu fordern und zu ermöglichen[7].
Wir wissen aber ganz genau, dass dieses grandiöses Friedensangebot nicht nur gar nicht gehört war, sondern auch, dass seine gesamte Inspiration allzuschnell geschichtlich gescheitert ist. Die Welt, die den II. Weltkrieg vorbereitet und durchgeführt hat, war keine Welt, die rationale Argumente – auch wenn so grossartig und kühn wie Franz Rosenzweigs Argumente – noch hören wollte. Für die Totalität des Krieges, gibt es ja nur noch eine Rationalität, nämlich die ihre eigene – die Rationalität der “Selbstbeziehung” der kriegerischen Totalität zu sich selbst. Alles andere gehört dem Bereiche des Fremden, des Anderen, d. h. derer, die die Totalität des geschlossenes Sinnes, des “Même”, als solche mit seiner blossen Anwesenheit im Gefahr stellt. Sie müssen also entweder kriegerisch entgegegetreten, oder, wenn sie wenig oder gar keine Macht haben, müssen sie ganz einfach vernichtet werden – so die Logik des Krieges.
Levinas musste ja erfahren, wie wirkungsvoll diese Logik eigentlich ist; wie wir schon wissen, seine Familie – mit Ausnahme von Frau und Tochter – wurde im Vernichtungslager völlig ausgerottet.
Auch wenn nichts anders Levinas von Rosenzweig unwiderruflich trennen würde, scheint uns diese Tatsache genug. Anders gesagt: es waren dann andere Zeiten. Für eine Welt, die faktisch wusste und erleiden musste, wie man auf der Erde die Hölle bauen kann, würden natürlich alle versöhnende Versprechungen der Vergangenheit in erster Linie nicht nur völlig leer, sondern sogar abscheulich.
Das Denken Levinas’ ist in seine Radikalität nur verstehbar, falls man die extreme Spannung, die heisst: die Notwendigkeit, Tatsache, die alle Denken entspringen, noch zu denken bzw. denken zu müssen –, vor Augen behält. 
Wir werden hier natürlich nicht die Gesamtheit oder die wichtigsten Aspekte der levinasschen Denken in Einzeln behandeln – so etwas haben wir schon anderswo gemacht[8] – sondern wir werden uns auf das Thema dieser Abhandlung konzentrieren. Wie im Falle von Rosenzweig, was uns hier eigentlich interessiert ist die Form, wie Levinas die ganze Philosophie umordnen versucht, um die Möglichkeit einer im tiefsten Sinn friedliche Gemeinschaft zu begründen.


II. Das absolute Primat des Anderen – die Umkehrung der Philosophie

Die ursprüngliche Multiplizität, die in gewisser Weise das ganze Werk Rosenzweigs belebt, stellt gegenüber der Tradition der ontologischen Einheitlichkeit ein starker Kontrapunkt, der beim Levinas sehr lebendig bleibt und das Verstehen sein Denken durchhaus ermöglicht. Der Andere kann nicht anders als wirklich anders akzeptiert werden, weil seine Anderheit auf die sozusagen vordenklichen, nicht neutralisierbaren  Ursprünglichkeit der Multiplizität beruht. Aus dieser Ursprünglichkeit stammt genau die absolute Notwendigkeit, gegenüber ihr nicht indifferent zu bleiben, und gerade deshalb, weil die Konkretheit des Vielfältigen die starke Tendenz vermeiden, endlich in eine abstrakte, begriffliche Einheit zu münden.
Diese Nicht-indifferenz bezeichnet für Levinas gerade die Ethik. Die Etablierung ethische Beziehungen heisst genau das: die Ursprünglichkeit des Anderen als solche zu bewähren, d. h. die Ethik als erste Philosophie - prima philosophia - einsetzen.
            Und wenn wir von Ursprünglichkeit der Ethik sprechen, meinen wir nicht irgendwie die Postulierung irgendeine Ethik, die auf den Boden des Bestehenden zu bauen sei, sondern deuten wir vielmehr auf die absolute Prägnanz des levinasschen Imperativs, das Bestehende als – sei hier uns ermöglicht, dieses gefährliches Wort zu benutzen - Negative des Ethischen verstehen zu müssen.
Diese Negativität, theoretisch aus der ganzen Geschichte der hegemonischen Entfaltung des abendländisches Logos schon zu verstehen und abzuleiten[9], wird tatsächlich erfahren in grausamen Ereignisse des II. Weltkrieges. Trotzdem – und dies interessiert uns ganz besonders – nicht nur dort, sondern in jede Beziehung und soziale Struktur, die irgendwie diesselbe Urphänomen des Mündens, der Reduzierung von Vielen in Einen – die, um mit Adorno etwa philosophischer gesagt, Aufhebung der Mannigfaltigkeit des Wirklichen im Begriff - reproduziert.
            Und dies wird, nach Levinas, immer passieren, falls das ethische nicht als erste Basis jedes Philosophieren eingesetzt wird. Das bedeutet ganz konkret: entweder ist die Würde des Anderen im Ursprung jedes Denkens, oder wird der konkrete Andere allzuschnell in einem logischem Anderen umgewandelt – was die ursprüngliche Gewalt nochmals reproduziert.
            Levinas übersetzt also gewissermassen die Grossartigkeit der Grundintuitionen Rosenzweigs in den kleinsten und entscheidenden Bausteine, die jede neue, wahre menschliche Beziehung nicht nur ermöglichen wie legitimieren. Wenn Rosenzweig als grosse Kulturphilosoph die Möglichkeit des Friedens in zivilisatorische Kategorien denkt, kommt Levinas anhand dessen zum Kern der Möglichkeit, der Frieden überhaupt zu denken, in der Masse, dass er sozusagen das Ethische als “Urwort” jedes Ursprungs postuliert.


4.    FRIEDEN UND ETHIK: FRIEDEN AUS DER ETHIK

Fassen wir die Hauptthemen dieser Abhandlung zusammen.
            Ohne Franz Rosenzweig ist das Denken von Levinas in alle seine Folgerungen letzendlich nicht zu verstehen. Das Denken Levinas’ könnte sehr wahrscheinlich nicht, ohne die Prägnanz des experenziellen Denken Rosenzweigs – hier verstanden als radikale Erfahrung bzw. Bewährung der ursprünglichen Multiplizität der Wirklichkeit – zu ihrem eigenen extremen Radikalität kommen.
Es ist aber zu merken, dass, was Levinas und Rosenzweig unwiderruflich trennt ist nicht irgendwie eine philosophische Bewegung wie die Phänomenologie, sondern vielmehr die grausame Tatsache des II. Weltkriegs. Hätte Rosenzweig den grossen Krieg durchleben müssen, würde er den Stern, wenn überhaupt, ganz anders schreiben; deshalb, weil Levinas den Krieg durchgelaufen ist, hat er die Hauptintuitionen des Sterns sozusagen stark “umgeformt”. Wenn für Rosenzweig die Hoffnung auf eine endliche, im besten Sinn konziliatorische Zusammenleben gewissermassen noch bestanden ist, muss die Hoffnung für Levinas eine ganz andere Form nehmen, nämlich die Form einer Ursprünglichkeit des Ethischen nehmen, die vor sowie jenseits jeder Wirklichkeitsvorstellung ist, also als richtigen Grund der Wirklichkeit fungiert[10].
            Wenn wir bei Rosenzweig die “Ethik” überhaupt verstehen könnten als sogar strikte, absolut notwendige rationale Schlussfolgerung eine ganz besondere ontologische Basis – die Basis der Multiplizität des Wirklichen – dürfen wir die Ethik im Denken Levinas gar nicht verstehen als Entfaltung irgendwie eine vorherige Basis, sondern gerade als die mögliche vordenkenliche Basis überhaupt, die jede rationale Entfaltung bevorsteht und letztendlich bestimmt.
            Zwischen den beiden, die blosse Tatsache des für jede nicht naïve Rationalität absolut Unerträgliches: die Barbarei des II. Krieges und die Shoah, denn der zweite Weltkrieg – hier vorwiegend symbolisch verstanden – bezeichnet das allerletzte, definitives Merkmal der Nicht-haltbarkeit der alten Gewissheiten, d. h. die definitive Dekadenz der versöhnliche Versprechungen der in sich geschlossenen transcendental bzw. ontologischen Rationalität von grössten Teil der philosophischen Tradition. Nach den zweiten Weltkrieg, nach dem «Holocaust», sowie nach Hiroshima u.s.w., wird einfach nicht mehr erlaubt, naïv zu philosophieren, denn diese Ereignisse bezeichnen genau die Substanz, mit der das Philosophieren noch möglich ist.
            Diese extreme Ereignisse tauchen aber nicht isoliert in der Wellen der Geschichte auf; sie bezeichnen eine Zuspitzung vielmehr der Art und Weise, wie die kleineren Ereignisse, nicht so leicht zu schauenden tagtäglichen “Unmenschlichkeiten” – von der Armut zur täglichen Violenz gegenüber dem Anderen, die überall zu finden ist - sich in der Geschichte einordnen. Und die Gewalt gegenüber dem Anderen hat, als rationales Kern, gerade das Streben, den realen Anderen irgenwie durch sein Begriff zu ersetzen.
            Dürfen wir wagen zu sagen, dass gerade diese die Tiefstruktur unsere gegenwärtige Welt meistens konstituiert? Ist die Philosophie des Dialogs – oder ein Dialog von Philosophien und Welten – nicht deshalb so notwendig, weil die Substanz eines wahren Dialogs keineswegs leicht zu finden ist, zumindest nicht in der Grossartigkeit von Begriffe und Weltanschauungen, die als motto haben, die Anderheit des Anderen in Namen irgendetwas wie “Fortschritt”, “globale Ordnung” u.s.w. zu depontenzieren?
            Oder, anders gesagt, müssen wir nicht den “Krieg” finden nicht nur in den unendlich verschiedenen offenen Kriege, die sich auf unsere Erde multiplizieren, sondern in den im Grunde genommen kriegerisches Status, die die meisten – wenn nicht alle - unseren Gesellschaften tatsächlich determinieren?
            Hatten also nicht sowohl Rosenzweig als auch Levinas – wie viele andere Philosophen auch - völlig recht, wenn sie gewissermassen explizit wie implizit den Kern der Gewalt in der Ersetzung des Anderen durch sein Begriff – in der Ersetzung der Zeitlichkeit durch die Atemporalität - situieren?

* * *

Viele geschichtliche Ereignisse mögen Rosenzweig von Levinas trennen. Eines aber – das Wichtigste – überlebt jede Trennung: die ganz dringliche Notwendigkeit, die tiefste Basis unsere globale gewaltsame Gesellschaft philosophisch zu entlarven, was aber steril bleiben würde, falls wir nicht stattdessen etwas anderes als ursprüngliche Kern jede menschliche Gemeinschaft einzusetzen vermögen. Dies haben wir aber, nämlich das Ethische – d h. die Nicht-indifferenz gegenüber dem realen Anderen. Ist dies nicht gerade was auch die Entfernung bzw. geographische wie historische Trennungen überlebt, in Sinne ein möglicher gemeinsamer Bau eine wahre Philosophie des Dialogs als gemeinsame Grundlegung eines Denkens des Friedens?
Für Emmanuel Levinas – sowie, in diesem Sinne, für Franz Rosenzweig auch - ist die Herstellung des Friedens also eigentlich als die Herstellung des Ethischen als tiefster Grund jeder menschliche Handlung zu verstehen. Dies sollten wir vielleicht mit aller Sorgfalt behalten. Mit dem Ethischen als unveräusserlicher Grund einer Gemeinschaft, ist es möglich, sich eine friedliche Gesellschaft, also eine mögliche menschliche Zukunft, zu vorstellen; ohne das Ethische als Grund jede menschliche Beziehung, bleibt aber der Frieden ein trostlos leeres Wort, das nur im traurigen Schatten des grossen wie des kleinen Krieges seine Wirklichkeit finden kann.


* * * * *



LITERATURVERZEICHNIS


AMODIO, Paolo et alii. Emmanuel Levinas – Philosophie et judaïsme (Pardès – Revue Européene d´etude et de culture juives 26/1999).
BAUER, Anna Elisabeth. Rosenzweigs Sprachdenken im “Stern der Erlösung” und in seiner Korrespondenz mit Martin Buber zur Verdeutschung der Schrift, Frankfurt am Main, 1991
BECKERT, Cristina. Subjectividade e Diacronia no pensamento de Levinas, Lisboa, 1998
CASPER, Bernhard. Das dialogische Denken - Eine Untersuchung der religionsphilosophischen Bedeutung Franz Rosenzweigs, Ferdnand Ebners und Martin Bubers, Freiburg, 1967
---, “Offenbarung in Franz Rosenzweigs ‘Erfahrendem Denken’” in: Archivio di filosofia n.1-3 (1994), 453-465
---,  Ereignis (Acaecimiento) en la concepción de Franz Rosenzweig y en el pensamiento de Martin Heidegger” in: Escritos de Filosofía, Buenos Aires, 1996, n.29-30, 3-20
---, “Korrelation oder ereignetes Ereignis? Zur Deutung des Spätwerkes Hermann Cohens durch Franz Rosenzweig” in: MOSES, Stéphane – WIEDEBACH, Hartwig (Hrgs.). Hermann Cohen’s Philosophy of Religion, Hildesheim-Zürich-New York, 1997, 51-69.
CIARAMELLI, Fabio. Transcendance et Ethique – Essai sur Levinas, Bruxelles, 1989
---, «De l’errance à la responsabilité», in: Etudes phénoménologiques. VI n. 12, 1990, 45-66.
---, «L’appel infini à l'interprétation. Remarques sur Levinas et l’art». Revue Philosophique de Louvain. 92, 1994, 32-51.
COHEN, Hermann. Die Religion der Vernunft aus der Quelle des Judentums, Wiesbaden, 1995
DREIZIK, Pablo. (Hrsg.) La memoria de las cenizas, Buenos Aires, Ed. Patrimonio Argentino, 2001.
FABRI, Marcelo. Desencantando a Ontologia – subjetividade e sentido ético em Levinas, Porto Alegre, 1997
FUCHS, Gotthard - HENRIX, Hans Hermann (Hrsg.). Zeitgewinn - Messianisches Denken nach Franz Rosenzweig, Frankfurt am M., 1987
GREISCH, Jean - Jacques ROLLAND (Hrgs.). Emmanuel Levinas - L’éthique comme philosophie première - Colloque de Cerisy-la-Salle, Paris, 1993,
JOSPE, Raphael (Hrsg.). Paradigms in Jewish Philosophy, London, 1997
KUIAVA, Evaldo. A. Subjetividade transcendental e alteridade: um estudo sobre a questão do Outro em Kant e Levinas, Caxias, do Sul, 2003
LETZKUS, Alwin. Dekonstruktion und ethische Passion – Denken des Anderen nach Jacques Derrida und Emmanuel Levinas, München, 2002.
LEVINAS, Emmanuel. Totalité et Infini, Den Haag, 1961
---, Autrement qu’être ou au-delà de l’essence, Den Haag, 1974
---, Difficile liberté - Essais sur le judaisme, Paris, 1976
---, Hors sujet, Montpellier, 1987
---, A l’heure des nations, Paris, 1988
---, De Dieu qui vient à l’idée, Paris, 1986
LICHARZ, W. (Hrsg.) Lernen mit Franz Rosenzweig, Frankfurt am Main, 1984.
LÖVY, Michel. Redenção e Utopia, São Paulo, 1989
---, Romantismo e Messianismo, São Paulo, 1990
MATE, Reyes. La razón de los vencidos, Barcelona, 1991
MAYER, Reinhold. Franz Rosenzweig - eine Philosophie der dialogischen Erfahrung, München, 1973
---, “Einführung” zu ROSENZWEIG, Franz. Stern der Erlösung, Frankfurt am Main, 1996
MELO, Nélio Vieira de. A Ética da Alteridade em Emmanuel Levinas, Porto Alegre, 2003
MENDES-FLOHR, Paul (Hrsg.). The Philosophy of Franz Rosenzweig, Hannover/London, 1988.
MOSES, Stéphane. System und Offenbarung - Die Philosophie Franz Rosenzweigs, München, 1985
---, Spuren der Schrift - Von Goethe bis Celan, Frankfurt am Main, 1988
---, L’ange de l’histoire. Rosenzweig, Benjamin, Scholem, Paris, 1992
MÜNSTER, Arno (Hrsg.) La pensée de Franz Rosenzweig. Actes du Colloque parisien organisé à l’occasion du centenaire de la naissance du philosophe, Paris, 1994
NESTROWSKY, Arthur - SELIGMANN-SILVA, Márcio (Hrsg.), Catástrofe e Representação, São Paulo, 2000.
PELIZZOLI, Marcelo L., A relação ao outro em Husserl e Levinas, Porto Alegre, 1994.
---, Levinas – a construção da subjetividade, Porto Alegre, 2002.
PEPERZAK, Adriaan. Ethics as first Philosophy – The signifiance of Emmanuel Levinas for Philosophy, Literature and Religion, New York/London, 1995
---, Beyond – The philosophy of Emmanuel Levinas, Evanston, 1997
PIVATTO, Pergentino S. “’Etica da Alteridade”, in: OLIVEIRA, Manfredo Araújo de. Correntes fundamentais da ética contemporânea, Petrópolis, Vozes, 2000, 79-97.
PIVATTO, Pergentino S. (Hrsg.),Ética – crise e perspectivas, Porto Alegre, 2004
REGUERA, Gabriel B. La construcción ética del Otro, Oviedo, 1997
ROSENZWEIG, Franz. Das Büchlein des gesunden und kranken Menschenverstandes , Frankfurt am Main, 1992
---, Hegel und der Staat, Aalen, 1982
---, Zweistromland - Kleinere Schriften zu Glauben und Denken (Gesammelte Schriften III), Dordrecht/Boston/Lancaster, 1984
---, Der Stern der Erlösung, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1996
SANTNER, Eric L. A Alemanha de Schreber, Rio de Janeiro, 1997.
SCHMIED-KOWARZIK, Wolfdietrich. Franz Rosenzweig - Existentielles Denken und gelebte Bewährung, Freiburg/München, 1991
SCHMIED-KOWARZIK, Wolfdietrich (Hrsg.) Der Philosoph Franz Rosenzweig – 1886-1929, Internationaler Kongress Kassel 1986, Freiburg/München,1988, 2 Bánde.
SOUZA, Ricardo Timm de. Totalidade & Desagregação. Sobre as fronteiras do  pensamento e suas alternativas, Porto Alegre, 1996
---, O tempo e a Máquina do Tempo - Estudos de Filosofia e Pós-modernidade , Porto Alegre, 1998
---, Existência em Decisão - uma introdução ao pensamento de Franz Rosenzweig, São Paulo, Perspectiva, 1999
---, Sujeito, Ética e História - Levinas, o traumatismo infinito e a crítica da filosofia ocidental, Porto Alegre, 1999
---, Sentido e Alteridade – Dez ensaios sobre o pensamento de Emmanuel Levinas ,Porto Alegre, EDIPUCRS, 2000
---, Metamorfose e Extinção - Sobre Kafka e a patologia do tempo, Caxias do Sul, 2000
---, Ainda além do medo – filosofia e antropologia do preconceito, Porto Alegre, 2002.
---, Sobre a construção do sentido – o pensar e o agir entre a vida e a filosofia, São Paulo, 2003.
---, Responsabilidade Social – uma introdução à Ética Política para o Brasil do século XXI, Porto Alegre, 2003.
---, O Brasil filosófico – história e sentidos, São Paulo, 2003.
---, Ética como fundamento – uma introdução à ética contemporânea, São Leopoldo, 2004.
---, As fontes do humanismo latino - A condição humana no pensamento filosófico contemporâneo, Porto Alegre, 2004.
---, “Nós e os outros. Sobre a questão do humanismo, hoje”, in: PAVIANI, Jayme – DAL RI Jr, Arno (Hrgs.), Globalização e humanismo latino, Porto Alegre, EDIPUCRS, 2000,  203-212.
---, “Justiça, liberdade e alteridade ética. Sobre a questão da radicalidade da justiça desde o pensamento de E. Levinas”, in: VERITAS – Revista de Filosofia, Vol. 46 n.2, 2001,  265-274.
SOUZA, Ricardo. Timm de. – OLIVEIRA, Nythamar Fernandes de. (Hrsg.) Fenomenologia hoje – existência, ser e sentido no alvorecer do século XXI, Porto Alegre, 2001.
---. Fenomenologia hoje II – significado e linguagem, Porto Alegre, 2002.
SUSIN, Luiz Carlos. O homem messiânico. Uma introdução ao pensamento de Emmanuel Levinas, Porto Alegre – Petrópolis, E.S.T.-Vozes, 1983
SUSIN, Luiz Carlos et alii (Hrsg.). Éticas em Diálogo – Levinas e o pensamento contemporâneo: questões e interfaces, Porto Alegre, 2003.
VILA-CHÃ, João. “Heteronomia e Sentido – uma abordagem da meta-ontologia de Emmanuel Levinas”, in: Revista Portuguesa de Filosofia 42 (1986), 55-86.


* Brasilien.
[1] Z. b. Totalidade & Desagregação - Sobre as fronteiras do pensamento e suas alternativas, Porto Alegre, 1996; O tempo e a Máquina do Tempo - Estudos de Filosofia e Pós-modernidade, Porto Alegre, 1998; Filosofia mínima: fragmentos de fim-de-século Porto Alegre, 1998; Existência em Decisão - uma introdução ao pensamento de Franz Rosenzweig, São Paulo, 1999; Metamorfose e Extinção - Sobre Kafka e a patologia do tempo, Caxias do Sul, 2000; Sujeito, Ética e História - Levinas, o traumatismo infinito e a crítica da filosofia ocidental, Porto Alegre, 1999; Sentido e Alteridade – dez ensaios sobre o pensamento de E. Levinas Porto Alegre, 2000 ; Ainda além do medo – filosofia e antropologia do preconceito, Porto Alegre, 2002; Sobre a construção do sentido – o pensar e o agir entre a vida e a filosofia, São Paulo, Perspectiva, 2003; Responsabilidade Social – uma introdução à Ética Política para o Brasil do século XXI, Porto Alegre, 2003; O Brasil filosófico – história e sentidos, São Paulo, Perspectiva, 2003; Ética como fundamento – uma introdução à ética contemporânea, São Leopoldo, 2004; As fontes do humanismo latino - A condição humana no pensamento filosófico contemporâneo, Porto Alegre, 2004; und ganz besonders “O Tempo e o Novo - sobre o Novo Pensamento de Franz Rosenzweig”, in: PEDROSO, H – ZILLES, U. (Hrsg.), Filosofia: diálogo de horizontes – Festschrift em homenagem a Jayme Paviani, Porto Alegre-Caxias do Sul, 2001, 299-314.
[2] Dieses Thema haben wir im obengenannten Buch Totalidade & Desagregação – sobre as fronteiras do pensamento e suas alternativas, behandelt.
[3] Vgl. unseres Buch Totalidade & Desagregação – sobre as fronteiras do pensamento e suas alternativas, op. cit., 15-29.
[4] Es ist u. E. nicht nur wegen der Probleme, die die Juden in deutschen Universitäten hatten, dass Kafka, Benjamin, Wittgenstein, Rosenzweig und viele andere sich entschieden hatten, die Universitätskarriere nicht als Hauptziel ihrer intellektuellen Laufbahn zu verfolgen, sondern in verschiedenen anderen Bereiche der Kultur tätig zu sein.
[5] Dies haben wir gemacht in Existência em Decisão – Uma introdução ao pensamento de Franz Rosenzweig, 21-54.
[6] Siehe Existência em Decisão – uma introdução ao pensamento de Franz Rosenzweig, op. cit., 29-54.
[7] Siehe SOUZA, Ricardo Timm de. Existência em Decisão..., op. cit., 133-145.
[8] Siehe Note 1.
[9] Siehe unser Essay “Da netralização da diferença à dignidade da Alteridade – estções de uma história multicentenária” in: SOUZA, Ricardo Timm de. Sentido e Alteridade – Dez ensaios sobre o pensamento de Emnmanuel Levinas, op. cit., 189-208.
[10] Die gefahr von Missverständnisse mit Worte wie “Grund” nehmen wir ernst; in diesem Kontext aber wird es unvermeidbar, um unsere Denklinie besser zu erklären.

Postagens mais visitadas